Wenn unterwegs plötzlich nichts mehr geht
Mitten auf der Reise verlor unser LKW-Wohnmobil – unser Benz – plötzlich spürbar an Leistung. Kein lauter Knall, kein dramatisches Geräusch, sondern dieses ungute Gefühl: Irgendwas stimmt hier ganz und gar nicht. Und am Ende sind wir einfach liegen geblieben. Was folgte, war eine Diagnose, die viele Camper fürchten und gleichzeitig unterschätzen: Dieselpest.
Wir sind Anja & Lars und leben seit über 1,5 Jahren dauerhaft in unserem selbst ausgebauten Feuerwehr-LKW. Wir reisen nicht nur am Wochenende, sondern sind wirklich unterwegs – mit allem, was dazugehört. Genau deshalb hat uns diese Situation besonders getroffen. Und genau deshalb teilen wir sie hier so offen.
In diesem Artikel findet ihr zwei Dinge:
- unsere konkrete Erfahrung aus dem ersten Dieselpest-Video
- und unsere Learnings, Warnzeichen und Konsequenzen, die wir daraus gezogen haben
In unserem ausführlichen Video zeigen wir genau, wie uns die Dieselpest unterwegs erwischt hat und wie wir trotzdem weiterfahren konnten.
Was ist Dieselpest überhaupt?
Dieselpest entsteht, wenn sich Mikroorganismen – Bakterien und Pilze – im Diesel vermehren. Dafür brauchen sie vor allem eines: Wasser im Tank. Das kann durch Kondensation, lange Standzeiten oder verunreinigten Diesel entstehen.
Das Ergebnis ist eine schleimige Masse, die Leitungen und vor allem den Dieselfilter zusetzt. Der Motor bekommt nicht mehr genug Kraftstoff – und verliert Leistung oder bleibt im schlimmsten Fall komplett stehen.
So hat sich die Dieselpest bei uns bemerkbar gemacht
Rückblickend waren die Warnzeichen da. Wir haben sie nur nicht sofort richtig eingeordnet.
Bei uns waren es unter anderem:
- spürbarer Leistungsverlust
- ein Motor, der sich plötzlich „träge“ anfühlte
- Probleme unter Last bis zum Stillstand
- ein immer schneller zusetzender Dieselfilter
- und dieses diffuse Bauchgefühl: Das fühlt sich nicht normal an
Wichtig ist uns dabei eines klar zu sagen: Kein einzelnes Symptom bedeutet automatisch Dieselpest. Aber die Kombination aus mehreren Anzeichen sollte man ernst nehmen.
Unsere Fehler – ehrlich und ohne Drama
Wir hätten die Dieselpest nicht zu 100 % verhindern können. Aber wir hätten früher reagieren können.
Das sind die Punkte, die wir heute anders bewerten:
- längere Standzeiten mit teilweise leerem Tank
- das Thema Dieselpest zu lange unterschätzt
- erste Symptome nicht konsequent genug verfolgt
- keinen klaren Notfallplan im Kopf gehabt
Wir erzählen das nicht, weil wir alles besser wussten – im Gegenteil: wir wussten es eben nicht …
Die Situation unterwegs – und unsere Notlösung
Irgendwann sind wir dann komplett liegen geblieben.
Zuerst haben wir mit Hilfe des ADAC Truckservice „nur“ den Filter ausgetauscht und den Vorfilter gereinigt.
Das hilft aber leider nicht, wenn die Dieselpest schon in den Tanks wütet.
Also haben wir uns mit Unterstützung einer LKW Werkstatt mit einer Notlösung beholfen, um überhaupt weiterfahren zu können. Wir haben die großen Tanks abgeklemmt, unseren kleinen 50 Liter Vortank von den Profis reinigen lassen und sind dann mit dem kleinen Tank nach Hause gefahren. Das war keine saubere, keine perfekte Lösung – sondern eine pragmatische Entscheidung, um aus der Situation herauszukommen.
Erst später haben wir das Problem dann richtig behoben. Das seht ihr auch im Video.
Diese Erfahrung hat uns sehr deutlich gezeigt:
Wer mit einem Diesel-Fahrzeug reist, sollte sich zumindest gedanklich mit dem Thema Dieselpest beschäftigt haben.
Was wir heute immer dabeihaben
Nach dieser Erfahrung haben wir unser Fahrzeug nicht komplett umgebaut – aber unsere Vorbereitung angepasst.
Heute gehören für uns dazu:
- mindestens ein Ersatz-Dieselfilter
- Handschuhe und Lappen haben wir eh immer dabei
- ein Schlauch und ein Trichter
- eine Möglichkeit, Diesel sauber aufzufangen
- einen Ersatzkanister
- ein geeignetes Diesel-Additiv
Das ist keine Garantie, dass nichts passiert. Aber es gibt uns Handlungsspielraum, wenn unterwegs etwas schiefläuft.
Unsere heutige Haltung zur Dieselpest
Wir fahren nicht panisch. Aber wir fahren bewusster.
Das bedeutet für uns:
- längere Standzeiten kritischer betrachten und immer schön mit Diesel-Additiv arbeiten
- den Tank nicht dauerhaft sehr leer fahren
- Veränderungen am Motor ernst nehmen
- lieber einmal zu früh prüfen als zu spät reagieren
Dieselpest ist kein exotisches Problem. Sie kann Vans, Wohnmobile und auch große Expeditions-LKW treffen.
Warum wir diese Erfahrung teilen
Viele Camper und Vanlifer unterschätzen die Gefahr von Dieselpest – gerade, wenn bisher immer alles gut gegangen ist. Uns ging es genauso.
Wenn dieser Artikel dazu beiträgt, dass ihr:
- Warnzeichen früher erkennt
- entspannter, weil informierter reist
- oder im Ernstfall schneller handelt
dann hatte diese Erfahrung wenigstens einen Sinn.
Wenn ihr mögt, schaut euch auch unser ausführliches Video zur Dieselpest an. Dort zeigen wir genau, wie uns das Problem unterwegs erwischt hat und wie wir am Ende doch noch weiterfahren konnten.
Und wie immer gilt: Schreibt uns gern eure Erfahrungen in die Kommentare.
Denn unterwegs lernt man am meisten – vor allem voneinander.


0 Kommentare