Fünf Jahre Bauzeit, jede Menge handwerkliches Können und ein ziemlich großer Traum: Katrin und Andre haben aus einem ausgemusterten Feuerwehr-Rüstwagen ein außergewöhnliches Zuhause auf Rädern geschaffen. Seit Dezember 2022 leben die beiden Vollzeit in ihrem selbst ausgebauten Mercedes 1222 namens Otto. Wir durften einen Blick in ihr rollendes Zuhause werfen. Und eines können wir gleich vorwegnehmen: Dieser Innenausbau gehört für uns zu den schönsten, die wir bisher gesehen haben.
Ein alter Feuerwehr-LKW und ein Traum vom Leben unterwegs
Wer uns kennt, weiß: Wir haben eine gewisse Schwäche für alte Feuerwehrfahrzeuge. Kein Wunder, schließlich leben wir selbst Vollzeit in einem ehemaligen Feuerwehr-LKW.
Als wir Otto, den Mercedes 1222 von Katrin und Andre, kennengelernt haben, waren wir deshalb natürlich neugierig. Wie haben die beiden ihren LKW ausgebaut? Welche Lösungen haben sie für das Leben auf begrenztem Raum gefunden? Und wie fühlt sich ein Zuhause an, das man fast vollständig mit den eigenen Händen erschaffen hat?
Was uns besonders beeindruckt hat, war allerdings nicht die Größe des Fahrzeugs oder seine Geländetauglichkeit.
Es war der Innenausbau.
Denn Andre ist gelernter Tischler. Und das sieht man wirklich an jeder Ecke.
Von Costa Rica zum eigenen Weltreisemobil
Die Geschichte von Katrin und Andre beginnt nicht mit einem alten Feuerwehrfahrzeug, sondern mit einer Reise nach Costa Rica.
Dort entstand der Wunsch, mehr von der Welt zu sehen. Nicht nur während einiger Urlaubswochen, sondern über einen längeren Zeitraum und möglichst unabhängig.
Die Idee, dauerhaft in einem Fahrzeug zu leben und unterwegs zu arbeiten, kam von Katrin. Andre war sofort begeistert.
Am 22. Dezember 2017 kauften die beiden schließlich ihren Mercedes-Benz 1222. Doch zwischen dem Kauf des Fahrzeugs und dem Einzug lagen noch fünf Jahre.
Fünf Jahre, in denen geplant, gebaut, verändert und sicherlich auch manches Mal improvisiert wurde.
Während dieser Zeit bereitete sich das Paar auch beruflich auf das neue Leben vor. Katrin gab nach mehr als 20 Jahren Selbstständigkeit ihr Fotostudio auf und orientierte sich beruflich neu. Das gemeinsame Haus wurde für die Vermietung vorbereitet.
Am 22. Dezember 2022 war es schließlich so weit: Genau fünf Jahre nach dem Kauf zogen Katrin und Andre in Otto ein.
Seitdem ist der ehemalige Feuerwehr-LKW ihr Zuhause.

Mercedes 1222: Vom Rüstwagen zum Wohnmobil
Die Basis von Otto ist ein Mercedes-Benz 1222 aus dem Jahr 1989. Das Fahrzeug war ursprünglich ein Feuerwehr-Rüstwagen.
Ein Rüstwagen ist bei der Feuerwehr vor allem für technische Hilfeleistungen vorgesehen. Statt Löschwasser transportiert er beispielsweise Werkzeuge, Rettungsgeräte und technische Ausrüstung.
Die robuste LKW-Basis eignet sich grundsätzlich gut für den Umbau zum Reisemobil. Allerdings bringt sie auch Herausforderungen mit sich: Gewicht, Fahrzeughöhe, Wartung und Ersatzteilversorgung wollen bedacht werden.
Technische Daten von Otto
| Merkmal | Daten |
|---|---|
| Basisfahrzeug | Mercedes-Benz 1222 |
| Baujahr | 1989 |
| Ursprüngliche Nutzung | Feuerwehr-Rüstwagen |
| Motor | 6-Zylinder-Dieselmotor |
| Hubraum | ca. 11 Liter |
| Motorleistung | 220 PS |
| Antrieb | Permanenter Allradantrieb, 4×4 |
| Radstand | 3,60 Meter |
| Tankvolumen | 750 Liter |
| Bereifung laut Fahrzeugporträt | 10R22,5 |
| Zugelassene Sitzplätze | 3 |
| Wohnkabine | Selbst gebauter Holzkoffer |
| Nutzung | Vollzeit-Wohnmobil seit Dezember 2022 |
Die Angaben stammen aus dem von den Besitzern veröffentlichten Fahrzeugsteckbrief. Einzelne Ausstattungsdetails können sich seitdem verändert haben.

Eine selbst gebaute Wohnkabine aus Holz
Besonders spannend finden wir, dass Katrin und Andre nicht einfach eine fertige Wohnkabine gekauft und anschließend eingerichtet haben.
Sie haben ihren Wohnkoffer selbst gebaut.
Und damit nicht genug: Auch Fenster, Tür, Stauklappen, Zwischenrahmen und Heckträger wurden nach eigenen Vorstellungen konstruiert und gefertigt.
Das ist eine beachtliche Leistung.
Wer schon einmal ein Wohnmobil selbst ausgebaut hat, weiß, wie viele Überlegungen hinter solchen Entscheidungen stecken. Eine Tür muss nicht nur gut aussehen, sondern dauerhaft dicht bleiben. Fenster müssen sinnvoll platziert sein. Der Aufbau muss stabil sein und gleichzeitig die Bewegungen des Fahrgestells berücksichtigen.
Beim Selbstausbau eines LKW geht es deshalb um weit mehr als hübsche Möbel und eine gemütliche Sitzecke.
Es geht darum, ein funktionierendes Zuhause zu schaffen, das viele Jahre unterwegs sein kann.

Ein Innenausbau, bei dem wir ins Schwärmen geraten
Jetzt kommen wir zu dem Teil, der uns bei Otto am meisten begeistert hat.
Dem Innenraum.
Andre ist gelernter Tischler. Und während man bei manchen Selbstausbauten noch deutlich erkennt, dass hier und da eine Lösung improvisiert werden musste, wirkt bei Otto alles wie aus einem Guss.
Holz spielt dabei die Hauptrolle.
Es sorgt für Wärme, Gemütlichkeit und eine Atmosphäre, die man in vielen modernen Wohnmobilen vergeblich sucht.
Für uns gehört Ottos Innenausbau zu den schönsten, durchdachtesten und gemütlichsten Holzausbauten, die wir bisher gesehen haben.
Was uns besonders gefällt, ist die Verbindung von Handwerk und Alltagstauglichkeit.
Denn ein Wohnmobil, in dem man dauerhaft lebt, muss andere Anforderungen erfüllen als ein Fahrzeug, das nur für ein paar Wochen im Jahr genutzt wird.
Stauraum, Bewegungsfreiheit und praktische Lösungen sind mindestens genauso wichtig wie eine schöne Optik.
Und genau diese Kombination ist Katrin und Andre mit Otto aus unserer Sicht hervorragend gelungen.

Vollzeit leben im selbst ausgebauten Feuerwehr-LKW
Seit dem 22. Dezember 2022 ist Otto nicht einfach ein Reisemobil. Er ist der Lebensmittelpunkt von Katrin und Andre.
Und das verändert einiges.
Wer dauerhaft im Wohnmobil lebt, kann nicht einfach nach zwei Wochen Urlaub nach Hause fahren, um die Waschmaschine anzustellen, etwas aus dem Keller zu holen oder ein technisches Problem in Ruhe zu lösen.
Das Wohnmobil ist das Zuhause. Mit allem, was dazugehört.
Katrin und Andre haben in einem Interview erzählt, dass auch sie sich zunächst daran gewöhnen mussten, rund um die Uhr auf ungefähr zehn Quadratmetern zusammenzuleben.
Mittlerweile haben sie ihren eigenen Rhythmus gefunden. Wobei der sich natürlich immer wieder verändert.
Mal sind sie unterwegs, entdecken neue Orte und sammeln Eindrücke. Mal bleiben sie länger an einem Platz, arbeiten und genießen den Alltag.
Genau das ist einer der großen Unterschiede zwischen einer Urlaubsreise und dem Vollzeitleben im Wohnmobil.
Man muss nicht jeden Tag etwas erleben.
Man darf auch einfach mal wohnen.

Mit Otto bis ans Nordkap
Dass Otto nicht nur schön aussieht, sondern auch tatsächlich als Reisefahrzeug genutzt wird, haben Katrin und Andre längst bewiesen.
Zu ihren besonderen Erlebnissen gehört eine Winterreise nach Nordnorwegen.
Polarlichter, Schnee, eisige Temperaturen und das Nordkap im Winter – das sind Erfahrungen, die man vermutlich nicht so schnell vergisst.
In einem früheren Interview berichteten die beiden außerdem von Zwergwalen, die direkt vor ihrem LKW schwammen, von der Mitternachtssonne und von außergewöhnlichen Begegnungen mit anderen Menschen.
Solche Geschichten zeigen, worum es beim Reisen im eigenen Zuhause eigentlich geht.
Nicht darum, möglichst viele Kilometer zurückzulegen.
Sondern darum, Zeit zu haben, Dinge zu erleben, die man vorher vielleicht nur von Bildern kannte.
Unsere Roomtour durch Otto
Natürlich wollten wir uns dieses außergewöhnliche Fahrzeug ganz genau ansehen.
Deshalb haben uns Katrin und Andre zu einer ausführlichen Roomtour durch ihren Mercedes 1222 eingeladen.
Dabei zeigen sie uns ihr selbst gebautes Zuhause und die vielen Lösungen, die sie für ihren Alltag entwickelt haben.
Vor allem der Innenausbau aus Holz hat uns begeistert.
Wer selbst einen Wohnmobil-Ausbau plant oder sich einfach für individuelle Reisefahrzeuge interessiert, sollte sich diese Roomtour unbedingt ansehen.
Hier unser YouTube-Video einbetten: Roomtour durch den Mercedes 1222 „Otto“ von Katrin und Andre.

Unser Fazit: Ein rollendes Zuhause mit unglaublich viel Persönlichkeit
Wir haben inzwischen schon einige selbst ausgebaute Wohnmobile gesehen. Große, kleine, aufwendige, einfache und manchmal auch ziemlich verrückte.
Aber Otto ist uns besonders in Erinnerung geblieben.
Nicht, weil er das größte oder technisch spektakulärste Fahrzeug wäre.
Sondern weil man ihm ansieht, wie viel Zeit, Arbeit und Liebe zum Detail in diesem Projekt stecken.
Katrin und Andre haben nicht einfach einen alten Feuerwehr-LKW zum Wohnmobil umgebaut.
Sie haben sich ein Zuhause geschaffen, das genau zu ihnen und ihrem Leben passt.
Und das ist für uns letztlich das Schönste am Selbstausbau: Man muss nicht nach den Vorstellungen anderer leben oder reisen.
Man kann sein Zuhause so gestalten, wie man es selbst braucht.
Dass dabei ein derart gemütlicher und handwerklich beeindruckender Innenraum entstehen kann, zeigt Otto auf wunderbare Weise.
Häufige Fragen zu Otto und dem Leben im Feuerwehr-LKW
Was für ein Fahrzeug ist Otto?
Otto ist ein Mercedes-Benz 1222 aus dem Jahr 1989. Der ehemalige Feuerwehr-Rüstwagen wurde von Katrin und Andre zu einem individuellen Allrad-Wohnmobil umgebaut.
Seit wann leben Katrin und Andre in Otto?
Die beiden leben seit dem 22. Dezember 2022 Vollzeit in ihrem selbst ausgebauten LKW. Der Umbau dauerte ungefähr fünf Jahre.
Haben Katrin und Andre ihr Wohnmobil selbst gebaut?
Ja. Sie haben unter anderem die Wohnkabine aus Holz, Fenster, Tür, Stauklappen, Zwischenrahmen und Heckträger selbst konstruiert und gebaut. Andre ist gelernter Tischler.
Wie viel PS hat der Mercedes 1222?
Otto hat laut dem veröffentlichten Fahrzeugsteckbrief einen Sechszylinder-Dieselmotor mit 220 PS und ungefähr elf Litern Hubraum.
Hat Otto Allradantrieb?
Ja. Der Mercedes 1222 verfügt über permanenten Allradantrieb und ist damit auch für Reisen abseits befestigter Straßen geeignet. Welche Strecken tatsächlich befahrbar sind, hängt unter anderem von Gewicht, Bereifung, Bodenverhältnissen und Fahrzeugabmessungen ab.
Wie verdienen Katrin und Andre unterwegs Geld?
Nach ihren öffentlich beschriebenen Erfahrungen arbeitet Katrin als Social-Media-Managerin und Texterin. Andre übernimmt gelegentlich handwerkliche Arbeiten. Hinzu kommen Mieteinnahmen aus ihrem Haus.
Wo kann man Katrin und Andre folgen?
Ihr findet die beiden auf ihrer Website here-and-there.de und bei Instagram unter @hereandthere_heutehiermorgenda.
Dieses Fahrzeugporträt ist Teil unserer Serie „Fahrzeugporträts“ auf Niekerkensreise. Darin stellen wir besondere Wohnmobile, Vans und selbst ausgebaute Reisefahrzeuge vor, die uns unterwegs begegnen. Denn jedes Fahrzeug hat seine eigene Geschichte – und meistens sind es die Menschen dahinter, die sie besonders interessant machen.


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