Wie viel Strom braucht man wirklich im Camper? Unser Strom-Setup im Wohnmobil

Wie viel Batterie braucht ein Wohnmobil? Wie groß sollte die Solaranlage sein? Braucht man wirklich einen großen Wechselrichter? Und was kostet ein Strom-Setup, mit dem man weitgehend autark unterwegs sein kann?

Das sind Fragen, die uns immer wieder erreichen. Kein Wunder: Wer einen Camper selbst ausbaut, kann bei der Elektrik sehr schnell sehr viel Geld ausgeben. Gleichzeitig lässt sich kaum pauschal sagen, wie groß eine Stromversorgung im Wohnmobil sein muss.

Deshalb zeigen wir euch hier unser komplettes Strom-Setup im Feuerwehr-LKW – inklusive Batterie, Solaranlage, Ladebooster, Wechselrichter, Überwachung und natürlich der Kosten.

Vorweg: Unser System ist kein Minimal-Setup. Wir leben in unserem Wohnmobil und wollten eine Stromversorgung, die zu unserem Alltag passt. Genau deshalb ist unsere Anlage auch nicht automatisch die richtige Lösung für jeden Camper.

https://youtu.be/j7DJMLp0Aic

Wie viel Strom braucht man wirklich im Camper?

Die entscheidende Frage lautet eigentlich nicht:

„Wie groß muss meine Batterie sein?“

Sondern:

„Welche Verbraucher möchte ich wie lange betreiben können?“

Wer hauptsächlich Licht, Smartphones und eine Wasserpumpe versorgen möchte, hat einen völlig anderen Strombedarf als jemand, der dauerhaft im Wohnmobil lebt und zusätzlich Computer, Küchengeräte, Starlink und andere 230-Volt-Verbraucher betreiben möchte.

Bevor ihr Batterie und Solaranlage dimensioniert, solltet ihr deshalb zunächst eine Verbrauchsliste erstellen.

Interessant sind dabei vor allem:

  • Kühlschrank
  • Beleuchtung
  • Wasserpumpe
  • Heizung
  • Smartphones und Tablets
  • Notebooks
  • Router bzw. Starlink
  • Wechselrichter
  • Küchengeräte
  • weitere 12- oder 230-Volt-Verbraucher

Aus Leistung und täglicher Nutzungsdauer lässt sich anschließend der ungefähre Tagesverbrauch berechnen.

Und erst dann lässt sich sinnvoll entscheiden, wie viel Batteriekapazität und Solarleistung tatsächlich notwendig sind.

Unser Strom-Setup im Feuerwehr-LKW

Bei unserem Ausbau war von Anfang an klar: Wir wollen nicht nur ein paar Tage Urlaub im Camper machen. Unser Feuerwehr-LKW ist unser Zuhause.

Entsprechend haben wir unsere Elektrik dimensioniert.

Dabei setzen wir bei der Steuerung und Ladetechnik überwiegend auf Komponenten von Victron Energy. Das System besteht nicht nur aus Batterie und Solarmodulen, sondern aus mehreren Komponenten, die unterschiedliche Aufgaben übernehmen.

Lars steht neben der Elektroinstallation im Feuerwehr-LKW und erklärt das Strom-Setup mit Victron-Komponenten.

1. Unser Batteriesystem

Das Herzstück jeder autarken Stromversorgung ist die Aufbaubatterie.

Für unser Batteriepaket haben wir insgesamt 1.769,42 Euro bezahlt.

Die Batterie entscheidet letztlich darüber, wie lange wir Strom verbrauchen können, wenn weder Solarstrom noch Landstrom oder Ladung über das Fahrzeug zur Verfügung stehen.

Gerade bei der Planung eines autarken Wohnmobils sollte man aber nicht einfach nach dem Motto „viel hilft viel“ möglichst große Batterien einbauen.

Mehr Batteriekapazität bedeutet nämlich auch:

mehr Kosten, mehr Platzbedarf und – abhängig von der Batterietechnik – zusätzliches Gewicht.

Die Kapazität sollte deshalb zum tatsächlichen Stromverbrauch passen.

2. 1.200 Watt Solar auf dem Dach

Auf unserem Feuerwehr-LKW liegen sechs Offgridtec MONO 200W V2 Solarmodule.

Damit kommen wir auf insgesamt:

6 × 200 Watt = 1.200 Watt Solarleistung

Die Module haben jeweils 99,69 Euro gekostet. Damit liegen die reinen Kosten für unsere Solarmodule bei:

598,14 Euro

Die Solaranlage ist für uns ein wichtiger Bestandteil der Autarkie. Gerade in den sonnenreichen Monaten können wir einen großen Teil unseres Strombedarfs direkt über das Dach decken.

Allerdings sollte man bei der Planung nicht den Fehler machen, ausschließlich mit der maximal angegebenen Solarleistung zu rechnen.

1.200 Watt auf dem Dach bedeuten nicht, dass permanent 1.200 Watt zur Verfügung stehen.

Sonnenstand, Jahreszeit, Bewölkung, Verschattung und Temperatur beeinflussen den tatsächlichen Ertrag erheblich.

3. Victron SmartSolar MPPT Laderegler

Zwischen Solaranlage und Batterie sitzt bei uns ein Victron Energy SmartSolar MPPT 100/50.

Kostenpunkt:

210,19 Euro

Der MPPT-Solarladeregler sorgt dafür, dass die von den Solarmodulen erzeugte Energie möglichst effizient zum Laden der Batterie genutzt wird.

Über Bluetooth lassen sich zudem verschiedene Daten bequem auslesen.

4. Laden während der Fahrt

Solar allein reicht uns nicht.

Deshalb können wir unsere Aufbaubatterie auch während der Fahrt laden. Dafür haben wir einen Victron Ladebooster verbaut.

Kosten:

209,46 Euro

Gerade bei schlechtem Wetter oder in der dunkleren Jahreszeit ist diese zweite Lademöglichkeit wichtig.

Wer regelmäßig fährt, kann dadurch einen Teil seines Strombedarfs während der Fahrt wieder in die Batterie bringen.

Zusätzlich haben wir zwei Victron Orion-Tr 24/12 Volt DC/DC-Konverter mit jeweils 20 Ampere und 240 Watt verbaut.

Kosten für beide zusammen:

104,60 Euro

Das ist bei unserem Feuerwehr-LKW besonders relevant, weil das Basisfahrzeug mit einem 24-Volt-System arbeitet, während Teile der Wohnraumelektrik mit 12 Volt betrieben werden.

5. Landstrom: Laden mit 230 Volt

Natürlich können wir unseren Benz auch ganz klassisch an Landstrom anschließen.

Dafür ist unter anderem ein Victron Energy Blue Smart IP22 Batterieladegerät 12/20(3) verbaut.

Kosten:

189,01 Euro

Damit können wir die Batterien laden, wenn ein 230-Volt-Anschluss zur Verfügung steht.

Für uns ist das eine weitere Absicherung: Wir wollen nicht davon abhängig sein, dass ausschließlich die Sonne scheint oder wir fahren müssen.

6. Victron MultiPlus-II 5000

Einer der größten Einzelposten unserer gesamten Anlage ist der Victron MultiPlus-II 5000.

Dafür haben wir:

1.700,33 Euro

bezahlt.

Der MultiPlus kombiniert zentrale Funktionen rund um Wechselrichter und Ladegerät. Vor allem der Wechselrichter ist für uns wichtig, weil wir damit auch normale 230-Volt-Geräte über unsere Batterie betreiben können.

Hier lohnt sich bei der Planung allerdings ein kritischer Blick auf den eigenen Bedarf.

Wer unterwegs kaum leistungsstarke 230-Volt-Geräte verwendet, braucht möglicherweise keinen Wechselrichter dieser Größenordnung.

Genau an solchen Punkten entscheidet sich, ob ein Strom-Setup einige Tausend Euro mehr oder weniger kostet.

7. Überwachung mit Cerbo GX und GX Touch

Bei einer größeren Anlage wollten wir nicht nur Strom haben, sondern auch wissen, was im System passiert.

Dafür haben wir unter anderem folgende Komponenten verbaut:

Victron Cerbo GX: 218,40 Euro
Victron GX Touch 70: 265,15 Euro
Victron Digital Multi Control GX: 134,90 Euro

Das Cerbo GX dient als zentrale Kommunikations- und Überwachungseinheit. Über das GX Touch können wir die wichtigsten Informationen des Systems komfortabel anzeigen lassen.

Das ist sicherlich kein Muss für jeden Camper.

Bei einer umfangreicheren elektrischen Anlage finden wir eine zentrale Systemüberwachung allerdings ausgesprochen praktisch.

8. SmartShunt: Wissen, was noch in der Batterie steckt

Zusätzlich nutzen wir einen Victron SmartShunt IP65 500A.

Kosten:

110,10 Euro

Dazu kommt ein fünf Meter langes VE.Direct-Kabel für 21,30 Euro.

Der SmartShunt ist für uns eine der wichtigen Komponenten des Systems, denn nur anhand der Batteriespannung lässt sich der tatsächliche Ladezustand einer Batterie nicht immer sinnvoll beurteilen.

Der Batteriemonitor erfasst unter anderem die hinein- und herausfließenden Ströme und ermöglicht dadurch eine wesentlich bessere Einschätzung des aktuellen Batteriezustands.

9. Zentralelektrik, Sicherungen und Schalter

Bei der Elektrik im Wohnmobil geht es nicht nur um Stromerzeugung und Batteriekapazität.

Mindestens genauso wichtig sind Verteilung, Absicherung und die Möglichkeit, einzelne Bereiche sauber zu schalten.

Bei uns sind unter anderem verbaut:

Zentralelektrik TEXU400: 378,95 Euro
2 × Pekaway Fusy Standard Sicherungsblock: 199,80 Euro
Votronic Schalter-Panel 4S: 48,85 Euro
Hauptschalter Elektrik: 52,90 Euro

Gerade an Sicherungen, Kabelquerschnitten und sauber ausgeführten Verbindungen sollte man beim Selbstausbau nicht sparen.

Bei hohen Strömen können bereits kleine Fehler erhebliche Folgen haben.

Was hat unser komplettes Strom-Setup gekostet?

Und damit kommen wir zu der Frage, die wahrscheinlich viele von euch besonders interessiert: Was kostet so eine Stromversorgung?

Unsere aufgeführten Komponenten verteilen sich ungefähr so:

KomponenteKosten
Batteriepaket1.769,42 €
Victron MultiPlus-II 5000 *1.700,33 €
6 × Offgridtec 200-W-Solarmodule *598,14 €
Zentralelektrik TEXU400378,95 €
Victron GX Touch 70 *265,15 €
Victron Cerbo GX *218,40 €
Victron SmartSolar MPPT 100/50 *210,19 €
Victron Ladebooster *209,46 €
2 × Pekaway Fusy Sicherungsblock *199,80 €
Victron Blue Smart IP22 *189,01 €
Victron Digital Multi Control GX *134,90 €
Victron SmartShunt IP65 500A*110,10 €
2 × Victron Orion-Tr 24/12 20A *104,60 €
Hauptschalter Elektrik *52,90 €
Votronic Schalter-Panel 4S *48,85 €
Batteriekabel37,72 €
VE.Direct-Kabel 5 m21,30 €
2 × Offgridtec Dachdurchführung15,70 €

Summe der oben einzeln aufgeführten Positionen: 6.264,92 Euro.

In unserer ursprünglichen Kostenaufstellung hatten wir eine Gesamtsumme von 6.243,62 Euro notiert. Beim erneuten Addieren der hier aufgeführten Einzelpositionen kommen wir allerdings auf 6.264,92 Euro – also 21,30 Euro mehr. Die Differenz entspricht exakt dem separat aufgeführten VE.Direct-Kabel. Vermutlich wurde dieses in der ursprünglichen Gesamtsumme nicht noch einmal separat berücksichtigt.

Damit kann man für unser Strom-Setup grob sagen:

Rund 6.250 Euro stecken allein in den aufgeführten Komponenten unserer Stromversorgung.

Kabel, Kleinteile oder weitere Installationsmaterialien können je nach Abgrenzung zusätzlich eine Rolle spielen.

Braucht man wirklich ein Strom-Setup für über 6.000 Euro?

Wahrscheinlich nicht.

Und das ist uns bei diesem Artikel besonders wichtig.

Unser Strom-Setup ist auf unseren Bedarf ausgelegt. Wir leben im Feuerwehr-LKW und möchten auch längere Zeit möglichst autark stehen können. Gleichzeitig nutzen wir elektrische Geräte, arbeiten unterwegs und wollen nicht ständig darüber nachdenken müssen, ob wir am nächsten Tag noch genügend Strom haben.

Wer einen Camper hauptsächlich für Wochenenden und Urlaubsreisen nutzt, kann mit einer wesentlich kleineren Anlage hervorragend zurechtkommen.

Umgekehrt kann jemand mit Induktionskochfeld, elektrischer Warmwasserbereitung, Klimaanlage oder anderen großen Verbrauchern sogar noch deutlich mehr Leistung benötigen.

Es gibt deshalb nicht das eine perfekte Strom-Setup für jeden Camper.

Unsere Tipps für die Planung der Camper-Elektrik

Wenn wir heute ein Stromsystem planen würden, würden wir nicht mit der Frage nach der Batterie beginnen.

Wir würden in dieser Reihenfolge vorgehen:

1. Verbraucher aufschreiben.
Was soll tatsächlich betrieben werden?

2. Tagesverbrauch berechnen.
Wie viele Wattstunden benötigt ihr realistisch innerhalb von 24 Stunden?

3. Gewünschte Autarkie festlegen.
Möchtet ihr einen Tag ohne Nachladen überstehen? Drei Tage? Eine Woche?

4. Lademöglichkeiten berücksichtigen.
Solar, Lichtmaschine und Landstrom ergänzen sich gegenseitig.

5. Erst danach die Batterie dimensionieren.

6. Wechselrichter nach den tatsächlichen 230-Volt-Verbrauchern auswählen.

Gerade der letzte Punkt kann viel Geld sparen. Ein großer Wechselrichter ist toll – aber nur dann, wenn man seine Leistung tatsächlich benötigt.

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Solar ist nur ein Teil der Lösung

Ein häufiger Denkfehler beim Wohnmobilausbau ist, Solarleistung mit Autarkie gleichzusetzen.

Doch eine wirklich alltagstaugliche Stromversorgung besteht aus mehreren Bausteinen:

Speichern – Erzeugen – Laden – Verteilen – Absichern – Überwachen.

Bei uns bedeutet das konkret:

1.200 Watt Solar erzeugen Strom, das Batteriepaket speichert ihn, während der Fahrt können wir nachladen, Landstrom bietet eine weitere Lademöglichkeit und das Victron-System übernimmt große Teile der Steuerung und Überwachung.

Erst das Zusammenspiel dieser Komponenten macht für uns das System alltagstauglich.

Fazit: Wie viel Strom braucht man im Wohnmobil?

So viel, wie zu eurem Alltag passt – und nicht so viel, wie irgendeine pauschale Ausbau-Empfehlung behauptet.

Ein Camper, der drei Wochen im Sommerurlaub unterwegs ist und jeden zweiten Tag fährt, stellt völlig andere Anforderungen an seine Elektrik als ein Expeditionsmobil, in dem dauerhaft gelebt und gearbeitet wird.

Unser Strom-Setup mit 1.200 Watt Solar, großem Wechselrichter, umfangreicher Victron-Technik und mehreren Lademöglichkeiten hat uns bei den aufgeführten Komponenten rund 6.250 Euro gekostet.

Das ist viel Geld.

Für uns war aber entscheidend, dass die Stromversorgung zu unserem Leben im Feuerwehr-LKW passt und wir möglichst wenig darüber nachdenken müssen, wo die nächste Steckdose ist.

Denn genau darum geht es bei einer guten Stromversorgung im Camper am Ende: nicht möglichst viele Watt, Amperestunden und technische Komponenten zu verbauen, sondern genau die Anlage zu bauen, die zum eigenen Reise- und Nutzungsverhalten passt.

Wie sieht euer Strom-Setup aus? Wie viel Solar und Batteriekapazität habt ihr verbaut – und würdet ihr es heute wieder genauso machen? Schreibt es uns gerne in die Kommentare!


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