Ich hasse Kinder, Hunde und Camper …

Ich hasse Kinder, Hunde und Camper …

7. November 2022 | Allgemein | 0 Kommentare

Eine schwer übertriebene Glosse

Das stimmt in dieser Form natürlich nicht. Ich hasse Kinder nicht. Schließlich habe ich selbst einen Sohn, den ich für das beste Geschöpf unter der Sonne halte. Dieses wunderbare Geschöpf ist inzwischen erwachsen und in keiner Weise anstrengend. Und in meinem selektiven Alzheimer Gehirn war er das auch nie. Das perfekte Kind eben. Ganz im Gegensatz zu den kleinen Kindern, die in der Ferienzeit Land auf Land ab die Campingplätze bevölkern. Die wollen immer irgendwas. Helfen zum Beispiel. Gern morgens beim Brötchen holen. Das wollte mein Kind nicht. Und wenn er das wollte, dann haben wir ihm das natürlich sofort verboten. Wer will schon, dass Kinder helfen? Jetzt stehe ich hinter einem verantwortungsvollen Papa mit seinen zwei entzückenden Kinderchen in einer Schlange verzweifelter  Kinderloser und weiteren Papas mit weiteren kleinen Helferleins, die schon mal Orangensaft aus einem zwei Meter hohen Regal wuchten, obwohl sie gerade mal einen laufenden Meter groß sind. Die supertollen Papas erklären den kleinen Lisas, Gustavs und Marthas dann mit Engelsgeduld, dass das nicht geht und rollen einen Analyseplan vor den Blagen aus. Denen ist Vadderns Plan scheißegal, weil sie keine Ahnung haben, wovon das Spießervorbild redet und weiter gehts.

Ich hasse Kinder, Hunde und Camper ...

Während dessen ist der erste Spießerpapa in der Reihe noch in aller Ruhe damit beschäftigt, dem zweijährigen Paul zu erklären, dass wir den Laugenzopf aber nicht mitnehmen wollen und er für die Brötchenzange noch zu klein ist. Das hat Paul sofort verstanden und grabbelt mit seinen Sabberfingern einfach direkt in die Brötchenkiste rein. Inzwischen sind in der Reihe drei kinderlose verhungert und ich verliere langsam die Nerven. Ich hatte noch keinen Kaffee und unterzuckert bin ich auch. Aber ich reiße mich zusammen, halte auch noch wacker durch, während die kleine Martha mit ihren vollgesabberten Patschehändchen die unteren Brötchenklappen und die Croissantklappe nacheinander öffnet und ihren Sabber gleichmäßig auf der präsentierten Backware verteilt. Papa ist immer noch maximal geduldig. Kein Wunder, er muss sich mit seiner Brut ja auch nur im Urlaub rumschlagen, während Mama endlich mal Brutpause hat und in Ruhe auf dem Platz das Frühstück vorbereiten darf. Vielleicht hat sie aber auch den Lottogewinn geheiratet und darf wenigstens im Urlaub ausschlafen. Oder man wechselt sich ab. Das ist ja auch ganz hip. Aber nur im Urlaub, weil sonst muss Papa ja die Brötchen verdienen, die die kleine Martha, Lotta oder welchen Hippsternamen das Blag auch haben mag, gerade voll sabbert. Bei uns wird’s heute auf jeden Fall kleine Croissants geben. Ich nehme die weniger leckeren Aufbackkörnerbbrötchen und Laugenzöpfe aus den obersten klappen, an die der hoffnungsvolle Ich-erklär-Dir-alles-mein-Schatz-Nachwuchs nicht ran kommt.

Während ich noch aussuche, drängelt sich der Vorzeigepapa hinter mir einfach mit seinen zwei, – warum immer zwei – Bälgern neben mich und lässt auch schon man begrabbeln und aussuchen. Pädagogisch wertvoll nimmt er den kleinen Leo Finn auf den Arm und lässt ihn in die oberen Klappen greifen. Ich kann mich vor Entsetzen eine Sekunde kaum bewegen und meine Kinnlade senkt sich im Zeitlupentempo herab. Mechanisch bezahle ich meine unleckeren und vermutlich doch mit Kindersabber kontaminierten Brötchen aus den obersten Klappen und trotte geschlagen zurück zu unserem Platz.

Ich hasse Kinder, Hunde und Camper ...

Unser Platz ist einer der zehn Plätze in absoluter Top-Lage. In der hinteren Ecke des Campingplatzes, aber dafür direkt am Strand. Keine typische Hagbutten-Idylle die die Strandlinie von der Horde Erholung suchender Individualisten trennt. Nein, man kann direkt den Strandhafer platt treten und seine Campingstühle auf den Strand stellen. Morgens zwischen sechs und sieben ein unschlagbares Idyll, danach rollt auf dem ausgebuchten Platz die erste Welle der Strandstürmer an den Eliteplatzbewohnern vorbei: die Hundeleute, Frühschwimmer und ein paar knochige Yogaweiber.

Die Hundeleute hasse ich auch. Nicht alle, aber die meisten. Zumindest die, die ihre Hunde am Strand sofort ableinen. Obwohl am Strand ein Leinengebot herrscht. Aber kein Problem für die Verteidiger*innen der Hundefreiheit: Die wollen ja nur spielen. Meine Hunde sehen das in der Regel ganz anders und erstaunlicherweise auch die Freiheitsfiffies. Die kommen nämlich mit trauter Regelmäßigkeit und rasender Begeisterung auf uns zugeschossen. Gern auch mit aufgestellten Nackenhaaren. Vermutlich nur eine getarnte Spielaufforderung, die meine Hunde und ich einfach falsch verstehen. Wir haben halt keine Ahnung. Grundsätzlich auch alles kein großer Akt. Hunde, die abgeleint werden, gehorchen ja. Oder nicht? Finde den Fehler … „Anton … Aaaaaantoooon ….. Jetzt komm aber mal hier her … Anton hörst Du nicht?“ Natürlich hört Anton Frauchen rum krakehlen. Es interessiert Anton mit seiner Nackenbürste aber gerade einen feuchten Scheiß. Anton, seines Zeichens ein leicht übergewichtiger Labrador, sieht gerade seine Chance gekommen, einem Malinois (belgischer Schäferhund) mal richtig den Marsch zu blasen. Aus leinensicherer Entfernung natürlich. Denn der Malinois (mein Hund) ist angeleint und muss das Gepöbel des übergewichtigen Artgenossen leider ertragen. Er ist angeleint und muss sich zusätzlich noch benehmen. Er hat es einfach nicht so gut getroffen wie Anton. Der Malinois darf nicht ungefragt auf andere zustürmen, sie bepöbeln und sich zu allem Überfluss nicht abrufen lassen. Der arme Hund, wie er von Antons Krakehlfrauchen bezeichnet wird, muss sogar die Bepöbelungen, oder wie Antons Frauchen es nennt, Spielaufforderungen von Anton, brav neben mir sitzend ertragen. Ich brülle derweil Anton an, dass er abhauen soll, was sein Frauchen mit tröstenden Worten für ihren missverstandenen Liebling quittiert. Der Liebling hüpft noch eine Runde vor uns hin und her pöbelt dabei selbstverständlich weiter, bis Frauchen „Aaaaatooon … komm jetzt her“ endlich am Geschirr gepackt hat. Da aber das dicke Tier noch in Wallung ist und die Masse nicht umgehend Trägheit entwickelt, wird Frauchens Masse kurzerhand mit in eine rechts links Bewegung gesetzt. Zugegeben, der Malinois und ich gucken kurzzeitig erstaunt bis amüsiert  auf das Schauspiel und ziehen uns dann einfach zurück. Anton glaubt, er hat den Malinois vertrieben, macht sich groß, bremst erstaunlich behände seine Massebewegung und trollt sich mit Frauchen im Schlepptau zurück auf seinen Platz … Ich glaube, ich hasse nicht nur Kinder. Ich hasse auch Hunde und vor allem ihre Menschen. 

Ich hasse Kinder, Hunde und Camper ...

Als ich noch denke, dass ich Hundemenschen doch mehr hasse als Kinder, kommt die Wohnwagenfamilie von nebenan von ihrem Inselausflug zurück. Mit zwei Kindern. Warum immer zwei? Ein Junge und ein Mädchen. Der Junge ist ca. 10 Jahre alt und das Mädchen ca. 4 Jahre. Die Eltern sind ziemlich nett und Gott sei Dank haben sie keinen Hund. Der Junge ist recht cool und das Mädchen scheint auch ganz sweet zu sein. Man kann ja auch mal Glück haben. Und dann soll das Mädchen mit seinem Lamaschwimmtier zurück zum Wohnwagen kommen. Die Lütte hatte es sich nämlich mit ihrem Schatz auf dem Kiesstrand bequem gemacht. Eine Aktion, die den Eltern die nackte Panik in die Augen trieb. „Lina Engelchen, komm zurück. Dein Lama geht auf den Steinen kaputt.“ Keine Reaktion vom Engelchen. „Lina, komm bitte her. Dein Lama tut sich sonst weh und geht kaputt.“ Immer noch keine Reaktion. Lina war halt einfach nicht so besorgt um ihr Lama. Die Eltern aber schon. Kann ich verstehen. Ich kann mich noch gut an die Dramen erinnern, die sich bei uns abspielten, wenn wir unserem Sohn die Konsequenzen seines Handelns erklärten, er aber in seinem dreijährigen Kopf beschlossen hatte, es besser zu wissen als seine überbesorgten Spießereltern. Die Idee, ihn an eigenen Erfahrungen lernen zu lassen, war zwar nachhaltig für alle Beteiligten und alle Unbeteiligten in einem Radius von mindestens 800 Metern keine wahre Freude … Alle Dreijährigen dieser Welt scheinen ähnliche Gedanken zu hegen. So auch Lina. Sie wusste es halt besser als ihre Eltern. Die gaben aber nicht auf und dachten gar nicht daran, dass gestern teuer erworbene Lama am Altar des Nachhaltigen-Lernens zu opfern. Also wurde der ältere Bruder geschickt, das Engelchen samt Lama zu holen. Ob das lärmpegeltechnisch die bessere Idee gewesen ist, darf stark bezweifelt werden. Das Geschrei war atemberaubend und nur ca. eine Minute unterhaltsam. Ich glaube, ich hasse Kinder doch mehr. Wenigstens schritten die Eltern ein. Denn diese verloren auch kurz die Nerven, brachten die Situation dann aber unter Kontrolle. Das Lina gerade in der Trotzphase war, da konnten sie ja nichts für. Und so lauschten wir während unseres Aufenthaltes immer wieder dem Rhythmus trotzig trampelnder Kinderfüße auf Wohnwagenlinolium. Vielleicht hasse ich auch Camping. Darüber muss ich noch mal nachdenken. Über eines muss ich aber definitiv nicht nachdenken: Mein Kind war nicht so 😉

Disclaimer: Vieles ist schwer übertrieben. Manches aber auch nicht. Was übertrieben ist und was nicht, liegt in der Position der Lesenden.

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